Jugendliche und Weihnachten: wie aus „keine Ahnung“ konkrete Wünsche werden
25.08.2026 | Angelika Unterholzner | Für Weihnachten
Die Frage „Was wünschst du dir?“ trifft Jugendliche meist zum falschen Zeitpunkt – irgendwann im November, zwischen Schule und Verabredung, ohne Vorlauf. Die Antwort fällt entsprechend aus. Ideen haben die meisten allerdings genug; es fehlt nur der Ort, an dem es steht. Wishbob ist die kostenlose Online-Wunschliste, die shopunabhängig funktioniert – und für diese Altersgruppe kann sie eine laufende Sammlung sein.
Warum „keine Ahnung“ meist keine Verweigerung ist
In Elternforen klingt die Lage ratlos. Ein Thread trägt den Titel „Geschenk Junge 16 Jahre – Verzweiflung pur!“, und die Ausgangslage darin ist typisch: Es gibt keine Wünsche, die Großeltern wollen nicht schon wieder Geld schenken, und schöner wäre etwas, das nicht direkt nach Gutschein aussieht.
Auf der anderen Seite sieht es genauso aus. Auf Frageportalen schreiben Jugendliche selbst, ihre Eltern fragten nach Wünschen und ihnen falle nichts ein. Es ist also kein Streit, sondern ein gemeinsames Problem: Beide Seiten suchen dasselbe und haben keinen Anhaltspunkt.
Interessant wird es bei denen, die schon eine Lösung gefunden haben. Ein Jugendlicher beschreibt, dass er eine Liste mit Dingen führt, die er sich je nach Finanzlage selbst anschaffen möchte und überlegt, künftig einfach diesen Link zu schicken, wenn jemand nach Wünschen fragt.
Über das Jahr sammeln statt im Dezember nachdenken
Damit ist der Unterschied benannt: Die Liste existiert oft ohnehin, sie wird nur nicht geteilt. Was im November spontan nicht einfällt, ist über zwölf Monate reichlich vorhanden, etwa das Ersatzteil fürs Rad, das Spiel aus dem Sale, das Buch, von dem jemand erzählt hat, die teuren Kopfhörer. Wer das ablegt, sobald es ihm auffällt, hat im Dezember eine Auswahl statt einer Denkpause. Wann welcher Schritt erfolgt, steht im Beitrag Weihnachten organisieren.
Für Eltern heißt das: Die Frage nach Weihnachtswünschen im November führt selten weiter. Nützlicher ist die Empfehlung, einen geäußerten Wunsch schon im Sommer auf eine Online-Wunschliste für Weihnachten zu setzen.
Der eine große Wunsch – und wie mehrere sich beteiligen
Bei Jugendlichen verschiebt sich die Größenordnung. Elternblogs beschreiben, dass sie aus den genannten Wünschen zuerst aussortieren, was unrealistisch ist – Spielkonsole, zweiter Monitor, Profi-Mountainbike.
Statt solche Wünsche zu streichen, lohnt es sich, sie teilbar zu machen: Aus einem Betrag, den niemand allein aufbringen will, wird so etwas, an dem sich fünf Personen gern beteiligen.
Das löst nebenbei den Konflikt aus dem Elternforum: Großeltern, die „nicht schon wieder Geld“ schenken möchten, geben in diesem Fall kein Geld, sondern einen Anteil an etwas Bestimmtem. Wie sich das in der Familie ansprechen lässt, steht im Beitrag über die Koordination in der Familie.
Wenn es Geld sein soll, dann mit einem Ziel
Viele Jugendliche wünschen sich Geld. In Foren beschreiben Eltern es gelassen: Der Sohn wünsche sich Geld und hasse es, unsinnige Dinge zu bekommen.
Was hilft, ist der Zweck. In einem Thread empfiehlt jemand, erst zu fragen, worauf gespart wird – Führerschein, erste Wohnung, eine Reise – und dann das Passende dazu zu schenken: ein kleines Zubehör zum Auspacken und den größeren Teil als Beitrag. Damit ist der Betrag ein Geschenk mit Inhalt und nicht mehr ein Umschlag.
Auf der Liste steht so ein Sparziel als freier Eintrag ohne Shop-Link, mit einem Satz dazu, wofür es ist. Wer sich beteiligt, weiß dann, woran.
Wenn wirklich nichts fehlt: gemeinsam etwas weitergeben
Manche Jugendliche wünschen sich tatsächlich nichts – weil sie haben, was sie brauchen, oder weil sie bewusst wenig konsumieren. Auf Frageportalen formulieren das einige sehr klar: Sie lehnen Geschenke ab und sehen im Fest vor allem den Konsum. Das ist eine Haltung, und sie verdient eine bessere Antwort als einen Gutschein.
Für Verwandte, die trotzdem etwas geben möchten, bringt eine Spende beides zusammen. Entscheidend ist, dass die Auswahl vom Jugendlichen kommt: ein Tierheim, eine Initiative aus der Umgebung, ein Projekt, das zu einem Interesse passt. Dann ist die Spende kein Ersatz für ein Geschenk, sondern ein Wunsch wie jeder andere – und für die Schenkenden bleibt das Gefühl erhalten, etwas Ausgesuchtes beigetragen zu haben.
Was Großeltern von der Liste brauchen
Für Menschen, die ein oder zwei Generationen weiter weg stehen, ist eine Liste mehr wert als für alle anderen. Sie kennen die aktuellen Interessen nicht im Detail und wollen trotzdem etwas Konkretes unter den Baum legen.
Drei Angaben machen dabei den Unterschied. Die genaue Ausführung, wenn es mehrere gibt – bei Technik und Kleidung entscheidet das über brauchbar oder nicht. Ein Satz zum Kontext: wofür es gebraucht wird, was schon da ist. Und die Reihenfolge, wenn es eine gibt – was zuerst gewünscht ist und was danach.
Damit nichts doppelt gekauft wird, markieren Schenkende einen Wunsch als erfüllt, ohne sich anzumelden. Wie das abläuft, steht in den FAQs.
Wem die Liste gehört – und wer sie teilt
Bei dieser Altersgruppe entscheidet die Frage, wer bestimmt. Eine Liste, die Eltern führen, wird von Jugendlichen nicht gepflegt. Eine, die ihnen gehört, schon.
Dazu gehört die Kontrolle darüber, was die anderen sehen: Einzelne Wünsche lassen sich für Verwandte ausblenden. Was nur zum Merken dasteht oder noch nicht spruchreif ist, muss also nicht mitgeteilt werden.
Beim Teilen gilt eine einfache Regel: Es teilt, wer gefragt wird. Großeltern und Paten wenden sich häufig an die Eltern – dann gebt ihr den Link weiter. Wird der Jugendliche direkt gefragt, teilt er ihn selbst. Damit das reibungslos läuft, solltet ihr den Link einmal haben, bevor die ersten Anfragen kommen. Wer ihn bekommt, braucht weder ein Konto noch eine App – ein Satz dazu in derselben Nachricht erspart die Rückfrage.
Wenn ihr euch für diesen Weg entscheidet, lohnt sich einmal ein kurzes Gespräch darüber, wie ihr es halten wollt. Eine Wunschliste ist nicht unhöflich – über den Eindruck entscheidet die Form. Wird sie nur auf Nachfrage verschickt oder von euch aus erwähnt? Und wie formuliert ihr es, damit sich niemand verpflichtet fühlt, etwas davon zu nehmen? Ist das einmal geklärt, muss es nicht bei jedem Anlass neu verhandelt werden – und der Jugendliche weiß, woran er sich halten kann, wenn er selbst gefragt wird. Bewährte Formulierungen dafür stehen im Etikette-Guide.
Eure Rolle bleibt die, die sie ohnehin ist: einmal darüber sprechen, was in diesem Jahr realistisch ist. Das ist ein Gespräch, kein Veto – und es fällt leichter, wenn beide auf dieselbe Liste schauen statt aufeinander.
Schlagt die Wunschliste zu Weihnachten deshalb frühzeitig vor, nicht erst im November. Dann ist die Frage nach den Wünschen in der Weihnachtssaison keine Frage mehr, sondern ein Link.